Baustellenvorbereitung

Die Zeiten in denen man Kachelöfen oder Heizkamine nach dem Motto "Hauptsache schön und viel Heizleistung" planen konnte, sind lange vorbei. Besonders moderne Kachelöfen zur Heizungsunterstützung, Kombiöfen und Grundöfen sind komplexe Heizsysteme und erfordern eine qualifizierte und kompetente Planung von Anfang an. Aber auch vergleichsweise einfache Heizkamine oder Warmluftöfen sollte optimal auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt sein. Konnte man früher nicht genug Heizleistung haben, weiß man heute wegen des immer geringer werdenden Energiebedarfs moderner Häuser oft nicht, wohin mit der entstehenden Wärme. Das eröffnet aber auch neue Chancen: Richtig geplant und umgesetzt, lassen sich Kachelöfen sehr effektiv, mit geringem Aufwand und dazu noch besonders umweltfreundlich betreiben.

Nachfolgend die wichtigsten Stationen für einen gelungenen Ofenbau:

1. Kachelofensystem festlegen
Der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zu Ihrem Kachelofen oder Heizkamin. Hier werden die Weichen für die spätere Nutzung und die optimale Einbausituation der Anlage gestellt. Bevorzugen Sie schnelle Konvektionswärme, lang anhaltende Strahlungswärme oder eine Kombination dieser Eigenschaften? Werden Sie Ihren Kachelofen oder Heizkamin intensiv oder nur gelegentlich nutzen? Soll die Anlage zur Heizungsunterstützung dienen? Die persönlichen Lebensumstände sind hier ebenso zu berücksichtigen wie viele andere, individuelle Faktoren, z.B. benötigte Heizleistung oder Ihre Designwünsche. Treffen Sie die Entscheidung für das spätere Kachelofensystem möglichst frühzeitig und lassen Sie sich ausführlich beraten.

2. Standort wählen
In der Regel stehen die Standorte für Kachelöfen oder Heizkamine, bedingt durch die Gesamtarchitektur, weitgehend fest. Sehr oft ist es jedoch möglich, durch einige wenige bauseitige Änderungen in der Stellsituation einen deutlich höheren Bedienkomfort und / oder eine Kostenersparnis zu realisieren. Dabei gilt es besonders, Strahlungsbarrieren zu vermeiden und die angenehme Wärme des Kachelofens in weiten Bereichen Ihres Hauses optimal nutzbar zu machen. Nicht selten wird Sie Ihr Ofensetzer dabei auch mit eigenen Vorschlägen zur optimalen Umsetzung oder Integration in Ihr Heizungskonzept überraschen oder Ihnen von der Umsetzung anderer Vorstellungen abraten müssen.

3. Kaminquerschnitt
Die allgemein bekannten Aussagen wie "18er Kamin passt immer" oder "lieber etwas grösser" waren nie richtig und werden es nicht dadurch, dass es leider oft so praktiziert wird. Tatsache ist, dass nur ein passend dimensionierter und auf das Kachelofensystem abgestimmter Kaminzug ein optimales Heizergebnis garantiert. Ein besonders "gut ziehender" Kamin ist ein Energieverschwender! Es hat also durchaus seine Gründe, warum namhafte Heizgerätehersteller für jeden Gerätetyp individuelle Schornsteinquerschnitte angeben. Werden Kachelöfen oder Heizkamine ausserdem mit gemauerten Rauchgaszügen (Kombiöfen) oder als reine Grundöfen erstellt, ist noch dringender zu einer Querschnittsberechnung zu raten. Lassen Sie sich von Ihrem Ofensetzer grundsätzlich eine solche Berechnung anfertigen!

4. Schornstein, Art, Standort, Anschlusshöhe und - seite festlegen
Sicher ist es meist weder möglich noch notwendig, den Schornstein um mehrere Meter zu verschieben. Jedoch kann bei einem zweizügigen Kamin schon der Tausch zwischen Heizungs- und Kachelofenkamin von links nach rechts und umgekehrt gleich erhebliche Beträge einsparen und gleichzeitig für ein optimales Heizergebnis sorgen. Auch die Optik Ihres Kachelofens kann so entscheidend geprägt werden. Selbstverständlich kann ein vorhandener Schornstein auch nachträglich angebohrt werden. Aber wie bei Punkt 3 gilt: Nur weil´s Viele so machen, wird es nicht besser! Wussten Sie, dass Sie durch nachträgliches Anbohren eines Schornsteins im Neubau Ihre Gewährleistungsansprüche verlieren können. Bestehen Sie gegenüber Ihrer Baufirma auf den Einbau eines T-Stücks in der passenden Höhe. Ihr Ofensetzer wird Ihnen die dafür notwendigen Angaben, abgestimmt auf Ihren Kachelofen oder Heizkamin, gerne frühzeitig zur Verfügung stellen.

5. Aussenluftzuführung vorsehen
In modernen, sehr dicht ausgeführten Gebäuden ist meist eine geeignete Zuführung der Verbrennungsluft für Kachelöfen, Grundöfen und Heizkamine vom Aussenbereich zu errichten. Hier bieten sich verschiedene Möglichkeiten (LAS-Kamin, Decke, Keller...) an, die bereits in der Planungsphase vorgesehen werden sollten. Oft ist dabei gerade die häufig gewählte Variante mittels Luftversorgung über den Kamin mit Vorsicht zu genießen. Denn besonders in der Übergangszeit ergeben sich im Schornstein tagsüber Temperaturverhältnisse, die abends ein problemloses Anheizen des Ofens erschweren können. Ihr Ofensetzer zeigt Ihnen mögliche Alternativen auf.

6. Mauerdurchbrüche planen
Um spätere Stemm- und Umbauarbeiten zu vermeiden, sollten Mauer- und Deckendurchbrüche schon in der Planungsphase berücksichtigt werden. Standardmaße gibt es nicht! Auch eine Beheizung angrenzender Räume durch Tragwände hindurch ist möglich, sollte aber frühzeitig eingeplant werden. Dazu sollte Ihnen Ihr Ofensetzer schon vor Baubeginn eine Werkzeichnung zur Verfügung stellen, auf der alle notwendigen Angaben enthalten sind! Wichtig: Kachelöfen und Heizkamine stellen in modernen Häusern oft mehr Leistung bereit, als für den Aufstellraum tatsächlich nötig ist. Eine Versorgung angrenzender Räume ist daher nach Möglichkeit immer mit einzuplanen.

7. Feuerhemmende Maßnahmen
Besonders bei Häusern in Holzständerbauweise zeigen sich oft erhebliche Probleme, wenn die notwendigen Feuerschutzmaßnahmen zu spät oder gar nicht mit in die Ofenplanung einbezogen wurden. Nachträgliche geplant, zerstören feuerhemmende Maßnahmen gelegentlich die gewünschte Ofenoptik und sorgen zudem für vermeidbare Mehrkosten. Wichtig: Nicht nur Holzbauteile sind betroffen, auch im Massivhausbau gibt es so genannte "besonders zu schützende Bauteile"! Einfache Rigipsverkleidungen sind bei Holzständerbauweise nicht ausreichend! Entscheidend ist nämlich nicht der kurzzeitige Schutz der Bauteile vor offenem Feuer (F60, F90 etc.) sondern das Abschirmen vor wochen- oder monatelanger Stauwärme durch den Kachelofen oder Heizkamin bei Dauerbetrieb. Gehen Sie hier bitte keine Kompromisse ein und planen Sie die Feurschutzmaßnahmen bereits im Rohbau mit ein!

8. Festpreis aushandeln
Um nachträgliche Mehrkosten zu vermeiden, sollten Sie mit Ihrem Ofensetzer vor dem Ofenbau einen Festpreis aushandeln. Dieser sollte mindestens 12, besser 24 Monate, gültig sein. Wenn die oben genannten Punkte berücksichtigt und damit Mehraufwand bei der Ofenmontage ausgeschlossen werden kann, erreichen beide Partner Planungssicherheit, die sich für Sie auszahlen wird.

9. Werkzeichnung
Ihr Ofensetzer sollte Ihnen in jedem Fall von Baubeginn eine Werkzeichnung zur Verfügung stellen. Diese sollte alle relevanten Daten und Maße zu den oben genannten Punkten enthalten. Prüfen Sie die Werkzeichnung vor Baubeginn und weisen Sie Ihre Baufirma darauf hin, die dort angegebenen Maße zu beachten. Während der Bauphase empfiehlt es sich, die Ausführung der einzelnen Punkte zu überprüfen, um ggf. noch korrigierend eingreifen zu können.

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10. Noch eine Bitte:
Gelegentlich kann es vorkommen, dass Ihre Designvorstellungen beim Ofensetzer Bedenken verursachen. So sind beispielsweise gerade riesige Sichtscheiben beim Heizkamin sehr in Mode, andererseits sinkt die benötigte Heizleistung für moderne Häuser stetig. Was in Zeitschriften, Ausstellungen oder auf einer Messe als Blickfang dient, erweist sich im späteren Gebrauch nur allzu oft als sinnlose oder defektanfällige Spielerei. Es ist die Aufgabe (und Pflicht) Ihres Ofensetzermeisters, Sie auf solche Widersprüche hinzuweisen. Nehmen Sie solche berechtigten Bedenken bitte ernst, prüfen Sie die aufgezeigten Alternativen und setzen dann Prioritäten. Damit die Vorfeude auf Ihren neuen Kachelofen oder Heizkamin nicht beim ersten Einheizen in Ernüchterung endet.

Wir hoffen, Ihnen hiermit einige wichtige neue Aspekte gegeben zu haben und würden uns freuen, Ihnen jederzeit beratend zur Seite stehen zu dürfen.

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