Alt gegen Neu
Oder: Wenn der mittlere Ring direkt durch Ihr Wohnzimmer führt

Ofenbauer sind schon undankbare Menschen. Eigentlich hätte man längst einen Autokorso nach Berlin starten müssen, um dem Gesetzgeber für die BImSchV Stufe 2 zu danken. Immerhin müssen so mehrere Zehntausend alte Ofeneinsätze durch neue Geräte ersetzt werden, mit denen die Umwelt weniger belastet werden soll. Ein wunderbares Konjunkturprogramm für den Ofenhandel.

Das habe natürlich auch ich bemerkt und im vergangenen Jahr deutlich mehr Ofeneinsätze ausgeliefert als in den Jahren zuvor. Prinzipiell eine gute Sache, hätte ich nicht immer wieder Dinge gesehen, die mir ernsthaft Bauchschmerzen verursachten. Die Gründe dafür sind meist gleich:

Der Ofenbesitzer wird vom Kaminkehrer darauf angesprochen, dass sein alter Heizeinsatz bis zum Tag X getauscht werden muss. Die wenigsten Kunden freut das, denn oft leistet das alte Gerät noch gute Dienste. Also schnell die Maße des "Alten" genommen und ein neues Gerät gesucht. Die Suchkriterien erschöpfen sich dann meist wie folgt:

Maße Korpus
Maße Frontplatte
Leistung

Ist ein Gerät mit den passenden Daten gefunden, muss nur noch der Preis stimmen und schon kann man bedenkenlos tauschen.

Und genau jetzt kommen meine Bauchschmerzen ins Spiel. Denn wenn ich schon mal vor Ort bin, bittet mich der Heimwerker natürlich mal kurz rein, um den vorhandenen Ofen kurz anzuschauen. Ein paar Tipps und Infos zum Einbau können ja nicht schaden. Noch dazu, wenn´s die kostenlos gibt. Ganz ehrlich - in einigen Fällen hätte ich den bestellten und gerade angelieferten neuen Ofeneinsatz streng genommen wieder mitnehmen müssen. Weil er schlichtweg für den individuellen Einsatzzweck nicht geeignet war oder am bestehenden Ofen so viele Änderungen hätten vorgenommen werden müssen, um das neue Gerät passend zu machen, dass es einem Totalumbau gleichgekommen wäre.

Also habe ich vor Ort versucht, das beste aus der Situation zum machen und den Kunden soweit mit Infos zu versorgen, dass es mit dem neuen Gerät wenigstens nicht der totale Reinfall wird. Das führte dann aber oft dazu, dass Material nachgeliefert werden musste, was unnötigen Aufwand, Kosten und Zeitverzögerungen beim Gerätetausch verursacht.

Daher möchte ich an der Stelle einige Tipps geben, worauf man beim Austausch "Alt gegen Neu" in jedem Fall achten sollte. Und dabei beginnen wir eben nicht bei den Maßen des neuen Heizeinsatzes, sondern schauen uns zunächst einmal die tatsächlich wichtigen Dinge an.

1) Luftgitter
An Ihrem alten Ofen finden Sie im oberen Bereich die Warmluftgitter und Im Sockelbereich die Kaltluftgitter, alternativ natürlich auch den gerne gebauten Segmentbogen im Sockel. Der dient übrigens nicht nur optischen Zwecken und sollte daher nicht mit Deko-Holz zugebaut werden. Über die unteren Kaltluftgitter oder den Segmentbogen strömt die Luft in den Ofen, die a) zur Verbrennung benötigt wird und b) zur Konvektion. Was also über die oberen Warmluftgitter an Konvektionswärme rauskommen soll, muss erstmal über die unteren Öffnungen in den Ofen hineingelangen. Und zusätzlich eben noch die Verbrennungsluft, da ja ältere Öfen in den allerwenigsten Fällen mit einer externen Verbrennungsluft ausgerüstet sind. Schauen Sie sich also die Kalt- und Warmluftöffnungen Ihres vorhandenen Ofens genau an, notieren Sie sich die Maße und errechnen Sie daraus den freien Querschnitt in cm². Berücksichtigen Sie dabei bitte auch Ihre Heizgewohnheiten. Wenn Ihr alter Ofen also über ein Warmluftgitter in den Nebenraum verfügt, welches in der Praxis immer geschlossen bleibt, dann zählt dieses Gitter natürlich nicht mit.

Gleichen Sie nun die tatsächlich bei Ihnen vorhandenen freien Querschnitte mit den Herstellerangaben im Datenblatt des neuen Heizeinsatzes ab. Stimmen die Werte annähernd überein, ist der Punkt ok. Benötigt der neue Heizeinsatz wesentlich mehr freien Querschnitt, ist das Gerät nicht geeignet oder Sie müssen die Öffnungen am bestehenden Ofen vergrößern. Zu geringe Gitterquerschnitte reduzieren die Heizleistung und / oder können zur Überhitzung des Heizeinsatzes und damit zu Schäden am Gerät führen. Die Herstellerangaben sind also Mindest-Anforderungen. Hat Ihr Ofen mehr freien Querschnitt als vom Hersteller für den neuen Heizeinsatz gefordert, ist das in der Praxis hingegen unbedenklich. Nur weniger sollte es eben nicht sein.

Und wenn wir schon beim Thema sind: Gelegentlich finden sich in einem alten Ofen auch Luftgitter, die in unterschiedlichen Höhen angeordnet sind. Da liegt z.B. ein Gitter im Ofenmantel bei 130 cm ab Fußboden und ein anderes -oder ein Gitter zum Nebenraum - bei 160 cm ab Fußboden. In der Praxis werden Sie dann oft festgestellt haben, dass aus dem weiter unten angeordneten Luftgitter keine oder weniger Wärme entweicht. Hier besteht also ggf. Handlungsbedarf. Konvektionswärme sucht sich immer den Weg des geringsten Widerstandes und der führt immer zum am höchsten angeordneten Gitter. Weiter unten angeordnete Gitter sind meist nutzlos, es sei denn, der Ofen wurde gezielt mit Zwischendecken versehen, die die Warmluft entsprechend kanalisieren.

Übrigens: Auch Rissbildung im alten Ofen kann ihre Ursache in falsch dimensionierten oder positionierten Luftgittern haben, Stichwort Wärmestau unter der Ofendecke.

2) Dämmung
Betrachten Sie die Dämmung zur Wand oder zum Schornstein in Ihrem alten Ofen genau. In vielen Fällen finden Sie hier nur eine dünne Schicht Mineralwolle mit etwas Alufolie vor, manchmal sogar gar keine Dämmung. Das sollten Sie unbedingt ändern! Alukaschierte Dämmwolle fasert auch nach Jahren noch aus. Diese Fasern spalten Sie zusammen mit anderem Staub am heißen Innenleben des Ofens zu Feinstaub auf. Erkennbar oft an den dunklen Flecken oberhalb des Ofens an Ihrer Zimmerdecke. In vielen Wohnzimmern herrscht bei Betrieb des Ofens eine Feinstaubbelastung, gegenüber der man am mittleren Ring in München einen Luftkurort einrichten könnte.

Ersetzen Sie die alten Dämmstoffe und verwenden Sie stattdessen modernes Material, wie z.B. Silca KM 250. Finden Sie hier unter Zubehör. Achten Sie dabei auf die vom Hersteller angegebenen Dämmstärken. Und wenn Sie schon dabei sind. Betrachten Sie Ihren alten Ofen innen ganz genau. Wo haben sich "Wollmäuse" angesammelt? Wo kann sich Staub festhalten? Entfernen Sie diese Staubnester und sorgen Sie für glatte, ebene Untergründe, an denen sich in Zukunft kein Staub ansammeln kann. Sie werden es auf Anhieb an einer erheblich besseren Luftqualität im Raum merken.

3) Konvektionsabstände
Auch hier finden Sie zu jedem Heizeinsatz die entsprechenden Angaben im Datenblatt. Berücksichtigen Sie dabei gleich auch die ggf. erforderliche zusätzliche Dämmstärke, siehe oben. Der verbleibende Raum abzüglich Konvektionsabstand ergibt nun die möglichen Maße des neuen Ofeneinsatzes. Die Herstellerangabe zum Konvektionsabstand sollte dabei niemals unterschritten werden, während ein paar Zentimeter mehr Abstand in der Regel unbedenklich sind. Grund: Falsche Konvektionsabstände reduzieren die Wärmeabgabe über Konvektion und die Wärmeübertragung auf den Kachelmantel. Zudem können zu geringe Konvektionsabstände zum Überhitzen des Heizeinsatzes führen. Das kann im Einzelfall sogar gefährlich sein, zumindest aber erlöscht Ihr Garantieanspruch, wenn die Maße nicht eingehalten werden und es dadurch zu einem Schaden am Gerät kommt.

Die Herstellerangaben bieten immer genau so viel Zwischenraum, dass die entsprechende Konvektionswärme abgeführt werden kann und gleichzeitig eine optimale Wärmeübertragung auf die Ofenhülle erfolgt. Zu große Konvektionsabstände sind meist keine Gefahr und reduzieren schlimmstenfalls die Wärmeabgabe. Wird die Herstellerangabe daher weit überschritten, besteht ebenfalls Handlungsbedarf. Entsprechende Hohlräume im Ofen von 20 cm und mehr sollten abgemauert werden. Achten Sie auch bitte auf die Abstände zwischen Heizeinsatz und Nachheizkasten! Hier gelten andere Maße. Man muss den Konvektionsabstand des Heizeinsatzes und den des Nachheizkastens addieren. Lässt sich der erforderliche Abstand nicht herstellen, muss ein Strahlungsblech eingebaut werden. Sie Sache mit dem Konvektionsabstand gilt im übrigen auch für den Abstand zum Boden. Erstaunlich oft wurde alte Heizeinsätze direkt auf ein betoniertes Podest gestellt. Das ist nicht zulässig und kann zu Schäden am Gerät führen. Vor allem dann, wenn jetzt von Rostfeuerung auf ein reines Holzbrandgerät ohne Aschekasten umgestellt wird, besteht erhebliche Überhitzungsgefahr an der Unterseite des Heizeinsatzes. Verwenden Sie daher immer ein geeignetes Traglager.

4) Nachheizkasten
Oft verbleibt der Nachheizkasten aus Kostengründen im alten Ofen. Eine Entscheidung, die ich natürlich nachvollziehen kann. Achten Sie dann aber bitte darauf, dass der alten Nachheizkasten tatsächlich noch so gut ist, dass er weitere 25 oder 30 Jahre bis zum nächsten Geräte-Tausch übersteht. Ansonsten müssten Sie irgendwann den Heizeinsatz nochmal herausziehen, nur um dann den Nachheizkasten zu tauschen. Betrachten Sie den alten Nachheizkasten genau. Nicht nur äußerlich. Ähnlich dem Auspuff am Auto rosten viele Nachheizkästen von innen nach außen. Was also äußerlich intakt aussieht, kann von innen schon vom Rost zerfressen sein. Reinigen Sie den Nachheizkasten bei der Gelegenheit gründlich und achten Sie darauf, dass der Putzdeckel unten am Nachheizkasten später leicht von außen zugänglich ist.

Sofern Sie sich zum Austausch des Nachheizkastens entschließen, achten Sie bitte darauf, dass dieser für den neuen Heizeinsatz geeignet ist. Aufschluss hierüber gibt z.B. die Abgastemperatur, die Sie ebenfalls im Datenblatt des Heizeinsatzes finden. Das gilt natürlich auch für den umgekehrten Fall. Soll der alte Stahlblech-Nachheizkasten im Ofen verbleiben, wählen Sie bitte keinen Heizeinsatz aus, der auf gemauerte Züge ausgelegt ist.

5) Verrohrung
Einfach lose zusammengesteckte Rauchrohre mögen vor 30 Jahren noch Stand der Technik gewesen sein. Heute ist das nur noch Pfusch. Bitte verwenden Sie beim Erneuern der Verrohrung entsprechende Rauchrohrschellen. Achten Sie auch bitte darauf, dass ausreichend Putzdeckel vorhanden sind um jede Stelle der Verrohrung später bequem reinigen zu können. Pflegehinweis: Saugen Sie Staub regelmäßig von der Verrohrung und wischen Sie diese leicht feucht ab, Stichwort Luftqualität im Raum.

6) Wasserführende Öfen
Hier wird die Sache wesentlich komplizierter und pauschale Tipps hätten den Wahrheitsgehalt einer Wettervorhersage für das nächste Jahr. Lassen Sie sich unbedingt vom Profi beraten, egal ob Sie einen alten wasserführenden Heizeinsatz tauschen wollen oder ob Sie Ihren nicht wasserführenden Einsatz nun durch ein modernes Kesselgerät ersetzen wollen. Das Thema Heizungsanbindung ist viel zu umfangreich, um es hier in ein paar Sätzen abzuhandeln.

Fazit
Ein Austausch Alt gegen Neu ist meist kein Hexenwerk. Dennoch sollte zumindest den oben genannten Punkten eine erhöhte Aufmerksamkeit zuteil werden. Nur Maße und Heizleistung vergleichen ist definitiv zu wenig! Eine sorgfältige Planung und Auswahl hilft Ihnen dabei, dass Ihr Ofen auch in den nächsten Jahrzehnten so funktioniert, wie Sie das erwarten. Oft lassen sich alte Fehler endlich ausmerzen, es verbessert sich die Luftqualität im Raum und der Brennholzverbrauch reduziert sich.

Namhafte Hersteller wie...
Brunner
Leda
Schmid
Olsberg
...bieten eine Vielzahl hochwertiger Ofeneinsätze für den Gerätetausch an. Dabei finden Sie sicher keine besonders schlechten Geräte mehr. Ganz im Gegenteil. Die Geräte der Markenhersteller gelten als äußerst solide und langlebig. Vielmehr besteht die Kunst darin, den geeigneten Heizeinsatz für die jeweiligen individuellen Gegebenheiten zu wählen.

Sofern Sie nur die geringsten Zweifel haben, ist eine Beratung vor Ort sicher gut angelegtes Geld. Jeder Fehlkauf wäre am Ende erheblich teurer.

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